ORCHESTERWERKE: SYMPHONIE
Taschenpartitur
Aufführungsmaterial
Werkbeschreibung
Notenbeispiel
Ignaz Joseph Pleyel
(1757-1831)
Symphonie
Grande Symphonie D-dur, Benton 147

herausgegeben von Anton Gabmayer

Taschenpartitur
"Grande Symphonie" in D-dur von Ignaz Joseph Pleyel
Diese Taschenpartitur hat ein
gelbes Titelblatt
mit schwarzem Aufdruck.
Format: 22,4 x 16,6 cm
Handelspreise ohne Mwst.!
Preis der Taschenpartitur:No.16P/036EUR 10,90
Aufführungsmaterial
Das Aufführungsmaterial von diesem Werk haben wir exklusiv für die Burgenländische Haydnfestspiele Eisenstadt erstellt!
Bitte kontaktieren Sie die Festspielleitung, wenn Sie Interesse am Aufführungsmaterial dieses Werkes haben!
Werkbeschreibung
Trotz der ungeheuren Verbreitung der Werke von Ignaz Pleyel (18. Juni 1757 in Ruppertsthal, Niederösterreich - 14. November 1831 in Paris) zu Beginn des 19. Jahrhunderts und der gewaltigen Beliebtheit seiner Kompositionen fällt er selbst und sein Schaffen in den Jahren nach seinem Tod bald der Vergessenheit anheim. Zu unrecht, wie beispielsweise diese Symphonie beweist. Sie entstand 1791, also mit einiger Wahrscheinlichkeit als Beitrag zu dem musikalischen Wettstreit mit Joseph Haydn - und sie ist zugleich eine großartige Verbeugung vor dem großen Meister Haydn, denn gleich zwei Sätze des Werkes zeigen eine unüberhörbare Verwandtschaft zu Haydns Musik.
Doch zuerst wird dem Zuhörer eine tragische, langsame Einleitung vorgetragen, die an Mozarts „Don Giovanni“ erinnert und jenen Einleitungen, die Haydns Londoner Symphonien auszeichnen, nicht nachsteht. Dem gewaltigen d-moll Forte des Orchesters in der Einleitung werden klagende Bläser gegenübergestellt, als hätte Pleyel noch das blutige Geschehen der französischen Revolution, der er eben erst entflohen war, im Kopf. Aus dieser unheilvollen Einleitung löst sich ein lebendiger Hauptsatz der aber zur Überraschung aller, nicht in d-moll steht, sondern in D-Dur! Zugleich kehren die drei Forte-Schläge der Einleitung - transponiert nach Dur - gleich zu Beginn des eigentlichen Hauptthemas wieder und machen die Einleitung damit zum Bestandteil des musikalischen Geschehens im Hauptsatz. Eine flüchtige 1/16 Kette folgt den drei Grundtönen und gibt dem Satz, der so tragisch begann, einen leichtfüßigen Fluß. Der Seitensatz ist von außerordentlicher Lieblichkeit und gerät gar zum Duett zwischen Geigen und Oboe, sodaß man sich angenehm entspannt zurücklehnen möchte. Doch nun zerreißt unvermittelte Dramatik die Idylle. Es folgt eine ausgereift modulierende Durchführung mit einigen Überraschungen. Neuerlich der ständige Hinweis auf die drei d-moll Schläge der Einleitung. Klopft hier schon - und nicht erst bei Beethoven - das Schicksal an die Tür? Geschickt instrumentiert werden Haupt- und Seitenthema nicht nur verarbeitet sondern noch weitergesponnen und nahezu unmerklich in die Reprise geführt. An deren Ende neuerlich die drei Forte-Schläge - nun sogar zweimal hintereinander und zuletzt über mehrere Oktaven aufgebrochen stehen. So entpuppt sich, was man während des Satzes schon gedacht haben mag, daß einzig diese drei Forte-Schläge das musikalische Zentrum des Satzes sind, um das sich alles andere rankt. Und ein interessanter Vergleich zu Haydns Oxford Symphonie (Symph. 92) aus dem Jahr 1789 bietet sich an, deren Einleitungsgesang sich ebenfalls aus einer einfachen Wiederholung von dreimaligem G Dur entwickelt - wenngleich Haydn es dort bei der Einleitung beläßt, wo sie (diametral entgegengesetzt) von äußerster Zartheit vorzutragen sind.
Gänzlich anders ist das Adagio des zweiten Satzes. Klagendes Moll wird an den Zuhörer herangetragen. Wieder wird der Effekt durch gekonnte Instrumentation unterstützt. Und nun finden wir auch die erste ausdrückliche Verneigung vor dem Geist Haydns, denn das Thema geht auf den langsamen Satz in Haydns Symphonie Nr. 70 in D Dur zurück, die 1778 oder 1779 entstand. Natürlich wird das dem älteren Meister beim Zuhören der Aufführung oder bei einer Sichtung der Partitur geschmeichelt bemerkt haben – und interessiert wird er die geschickte Verarbeitung des thematischen Materials beobachtet haben, die sich erwartungsgemäß in eine völlig andere Richtung entwickelt, als in der genannten Symphonie Haydns.
Das Menuett, geht mühelos mit den Erfordernissen eines symphonischen Tanzes um und weist deutlich in die Richtung Schuberts – insbesondere mit seinen ausgeprägten unerwarteten melodischen und harmonischen Wendungen. Selbst das Trio ist ein reiflich auskomponierter Bestandteil und dem Menuett so gar nicht untergeordnet, sondern diesem in Gewicht und kompositorischer Ausgefeiltheit absolut ebenbürtig. Ja es überrascht am Ende des Trios sogar ein wenig, daß nun noch einmal das Menuett da capo erklingt. Hier liegt insgesamt ein, den übrigen Sätzen vollwertig entsprechender Satz vor und kein bloßer „Einschub“ zwischen den anderen „wichtigen Sätzen“ der Symphonie.
Im Finale kommt es zur zweiten Verneigung vor Pleyels Lehrer Haydn. Denn nun wird ein Thema aufgenommen, daß der väterliche Meister in seiner Symphonie Nr. 77 in B (ca. 1782) in seinem Finale so grandios verarbeitet hat. Als wär’s eine Kompositionsaufgabe, die Haydn seinem Schüler Pleyel über die Jahre mitgegeben hat. Und ähnlich wie Haydn versteht es auch Pleyel den gesamten Orchesterapparat samt Pauken und Trompeten in eine unerhörte Leichtigkeit zu versetzen. Ob Streicher oder Bläser, alle haben Anteil an der thematischen Entfaltung. Pleyel bedient sich hier der Rondoform, verändert aber die Gestalt des Themas ständig. Getreu seinem musikalischen Vorbild erleben wir auch einige gewaltige Überraschungen, Fermaten, Generalpausen und sogar ein gelungener Kontrapunkt wird ins Geschehen geworfen und schließlich wird aus dem so leichtfüßig begonnen Satz ein höchst virtuoses und mitreißendes Finale, das auch von den Interpreten die entsprechende Virtuosität abverlangt.
Das Werk ist im Autograph nicht erhalten wie es auch keine modernen Ausgaben davon gibt. Doch schon im Jahr 1792, ein Jahr nach seinem Entstehen, wird es von Andre herausgegeben. Und ein weiteres Jahr später druckt dieses Verlagshaus bereits die zweite Auflage. Zahlreiche historische Publikationen folgen, bis das Werk der Vergessenheit anheimfällt. Die Haydn Akademie hat sich - ausgehend von den Erstausgaben Andres – sein eigenes Aufführungsmaterial erstellt und dankt der Musikabteilung der Bayrischen Staatsbibliothek, wo ein kompletter historischer Stimmensatz unter der Signatur 4 Mus.pr. 14301 aufliegt.
Anton Gabmayer, Dirigent Anton Gabmayer ist Autor des Vorwortes. Er ist Initiator der vorliegenden Ausgabe dieses Werkes.
Notenbeispiel
Grande Symphonie, D-dur, Maestoso, Partitur
"Grande Symphonie" in D-dur von Ignaz Joseph Pleyel
copyright: Wolfgang Kiess updated: